Der abgebildete Graph zeigt eine abschnittsweise definierte Funktion \(f\).
Beurteile für die markierten Punkte \(A\), \(B\) und \(C\) auf dem Graphen, ob an den jeweiligen Stellen \(x_1 = -2\), \(x_2 = 0\) und \(x_3 = 2\) eine lokale Extremstelle (lokales Minimum oder lokales Maximum) vorliegt.
Begründe deine Entscheidungen und gehe dabei auch darauf ein, welche Rolle die Differenzierbarkeit und die Ableitung der Funktion an diesen Stellen spielen.

Denkanstöße
- Wie lautet die mathematische Definition für ein lokales Minimum und ein lokales Maximum?
- Muss eine Funktion an einer Stelle unbedingt differenzierbar sein, damit dort ein Extrempunkt existieren kann?
- Betrachte die Funktionswerte in einer kleinen Umgebung direkt links und rechts von jedem der drei Punkte. Sind sie alle größer, alle kleiner oder teils größer und teils kleiner?
- Wenn die Steigung an einer Stelle null ist, handelt es sich dann immer automatisch um eine Extremstelle?
Lösung
Um zu beurteilen, ob an den Stellen lokale Extremstellen vorliegen, nutzen wir die Definitionen von lokalen Extrema und untersuchen das Verhalten der Funktion in einer offenen Umgebung um die jeweiligen Stellen:
1. Stelle \(x_1 = -2\) (Punkt \(A\)):
An dieser Stelle hat der Graph einen „Knick“, was bedeutet, dass die Funktion \(f\) an der Stelle \(x_1 = -2\) nicht differenzierbar ist. Dennoch gilt in einer kleinen offenen Umgebung um \(x_1\), dass alle Funktionswerte größer oder gleich dem Funktionswert \(f(-2) = 0{,}1\) sind. Da \(f(x) \ge f(-2)\) in dieser Umgebung gilt, liegt bei \(x_1 = -2\) ein lokales Minimum vor. Dieses Beispiel zeigt, dass Differenzierbarkeit keine notwendige Voraussetzung für die Existenz eines lokalen Extremums ist.
2. Stelle \(x_2 = 0\) (Punkt \(B\)):
Der Graph verläuft hier glatt und erreicht einen Hochpunkt. In einer offenen Umgebung um \(x_2 = 0\) gilt \(f(x) \le f(0) = 3{,}5\). Da die Funktion hier differenzierbar ist, ist die notwendige Bedingung für ein Extremum erfüllt: Die Steigung der Tangente ist null (\(f'(0) = 0\)). Da die Steigung zudem von positiv links von \(0\) auf negativ rechts von \(0\) wechselt, liegt bei \(x_2 = 0\) ein lokales Maximum vor.
3. Stelle \(x_3 = 2\) (Punkt \(C\)):
An dieser Stelle verläuft die Tangente an den Graphen ebenfalls waagerecht, es gilt also \(f'(2) = 0\). Allerdings ist die Funktion in einer offenen Umgebung um \(x_3 = 2\) streng monoton fallend; die Steigung ist sowohl links als auch rechts von \(x_3\) negativ. Es gilt also \(f(x) > f(2) = 3{,}3\) für \(x < 2\) und \(f(x) < f(2) = 3{,}3\) für \(x > 2\) in der nahen Umgebung. Somit liegt bei \(x_3 = 2\) kein lokales Extremum, sondern ein Sattelpunkt vor. Dies zeigt, dass die Bedingung \(f'(x) = 0\) für differenzierbare Funktionen zwar notwendig, aber nicht hinreichend ist.
Antwort
Bei \(x_1 = -2\) (Punkt \(A\)) liegt trotz der Nichtdifferenzierbarkeit ein lokales Minimum vor; bei \(x_2 = 0\) (Punkt \(B\)) liegt ein lokales Maximum vor; bei \(x_3 = 2\) (Punkt \(C\)) liegt keine Extremstelle, sondern ein Sattelpunkt vor.