Gegeben ist die Funktion \(f\) mit der Gleichung:
\(f(x) = x^3 - 3x + 1\)
In der Abbildung ist der zugehörige Funktionsgraph \(G_f\) dargestellt. Mithilfe des Newton-Verfahrens soll die größte der drei Nullstellen der Funktion näherungsweise bestimmt werden.
a) Bestimme die ersten beiden Näherungswerte \(x_1\) und \(x_2\), wenn als Startwert \(x_0 = 2\) gewählt wird. Gib deine Zwischenschritte und die Ergebnisse sowohl als gekürzte Brüche als auch auf drei Dezimalstellen gerundet an.
b) Erkläre rechnerisch mithilfe der Ableitungsfunktion \(f'\) und anschaulich anhand des Graphen, warum der Wert \(x_0 = 1\) nicht als Startwert für das Newton-Verfahren verwendet werden kann.
c) Wenn man einen Startwert \(x_0\) knapp oberhalb von \(1\) wählt, zum Beispiel \(x_0 = 1{,}1\), „schießt“ der erste Näherungsschritt \(x_1\) weit nach rechts über die tatsächliche Nullstelle hinaus. Erkläre anhand des Verlaufs des Graphen, warum dieses Verhalten auftritt.

Denkanstöße
- Erinnere dich an die allgemeine Formel für einen Schritt des Näherungsverfahrens. Welche Funktionswerte benötigst du dafür?
- Was bedeutet es geometrisch, wenn wir eine Tangente an den Graphen legen? Wie hängt die Steigung dieser Tangente mit der Ableitung zusammen?
- Betrachte den Graphen an der Stelle \(x = 1\). Welche besondere Eigenschaft hat die Kurve dort und was bedeutet das für die Tangente?
- Stelle dir die Tangente an der Stelle \(x = 1{,}1\) vor. Wo schneidet diese Tangente die \(x\)-Achse?
Lösung
1. Ableitung der Funktion bestimmen:
\(f'(x) = 3x^2 - 3\)
2. Ersten Schritt für \(x_0 = 2\) berechnen:
\(f(2) = 2^3 - 3 \cdot 2 + 1 = 3\)
\(f'(2) = 3 \cdot 2^2 - 3 = 9\)
\(x_1 = 2 - \frac{f(2)}{f'(2)} = 2 - \frac{3}{9} = \frac{5}{3} \approx 1{,}667\)
3. Zweiten Schritt für \(x_1 = \frac{5}{3}\) berechnen:
\(f\left(\frac{5}{3}\right) = \left(\frac{5}{3}\right)^3 - 3 \cdot \frac{5}{3} + 1 = \frac{125}{27} - 4 = \frac{17}{27}\)
\(f'\left(\frac{5}{3}\right) = 3 \cdot \left(\frac{5}{3}\right)^2 - 3 = \frac{25}{3} - 3 = \frac{16}{3}\)
\(x_2 = \frac{5}{3} - \frac{f\left(\frac{5}{3}\right)}{f'\left(\frac{5}{3}\right)} = \frac{5}{3} - \frac{\frac{17}{27}}{\frac{16}{3}} = \frac{5}{3} - \frac{17}{144} = \frac{223}{144} \approx 1{,}549\)
4. Begründung für \(x_0 = 1\):
Rechnerisch gilt \(f'(1) = 3 \cdot 1^2 - 3 = 0\). Da die Newton-Formel eine Division durch \(f'(x_n)\) verlangt, ist der Schritt für \(f'(x_0) = 0\) nicht definiert.
Anschaulich besitzt die Funktion bei \(x = 1\) ein lokales Minimum. Die Tangente an dieser Stelle verläuft waagerecht und schneidet die \(x\)-Achse nicht.
5. Erklärung für \(x_0 = 1{,}1\):
Da \(x_0 = 1{,}1\) sehr nahe am Tiefpunkt bei \(x = 1\) liegt, ist die Steigung der Tangente dort sehr klein (\(f'(1{,}1) = 0{,}63\)). Da der Funktionswert negativ ist (\(f(1{,}1) = -0{,}969\)), führt die flache Tangente dazu, dass man entlang dieser Linie sehr weit nach rechts gehen muss, um die \(x\)-Achse zu schneiden (\(x_1 \approx 2{,}64\)).
Antwort
a) \(x_1 = \frac{5}{3} \approx 1{,}667\) und \(x_2 = \frac{223}{144} \approx 1{,}549\)
b) Rechnerisch ist \(f'(1) = 0\), weshalb eine Division durch null entstehen würde. Anschaulich verläuft die Tangente am Tiefpunkt waagerecht und hat keinen Schnittpunkt mit der \(x\)-Achse.
c) Da die Steigung der Tangente nahe am Tiefpunkt sehr klein ist, verläuft sie fast waagerecht. Von einem Punkt unterhalb der \(x\)-Achse aus liegt ihr Schnittpunkt mit der \(x\)-Achse deshalb weit rechts von der tatsächlichen Nullstelle.