Eine Basketballspielerin trainiert Freiwürfe. Für ihre Trefferwahrscheinlichkeit stehen zwei Modelle zur Diskussion:
Modell A: \(p=0{,}7\), Modell B: \(p=0{,}8\).
In \(50\) vergleichbaren Testwürfen trifft sie \(38\)-mal. Für die nächsten \(10\) Würfe bezeichnet \(X\) die Zahl der Treffer.
a) Erkläre, unter welchen Annahmen \(X\) in jedem der beiden Modelle binomialverteilt ist, und nenne eine realistische Einschränkung dieser Annahmen.
b) Berechne unter beiden Modellen die Wahrscheinlichkeit, in \(50\) Würfen genau \(38\) Treffer zu erzielen. Runde auf vier Dezimalstellen und entscheide anhand dieser Punktwahrscheinlichkeiten, welches der beiden vorgegebenen Modelle dieses Beobachtungsergebnis stärker stützt.
c) Berechne für beide Modelle \(P(X\ge8)\) und runde auf vier Dezimalstellen.
d) Bestimme für beide Modelle Erwartungswert und Standardabweichung; runde die Standardabweichungen auf zwei Dezimalstellen.
e) Erkläre, worin sich die beiden Modelle für die Planung der nächsten \(10\) Würfe praktisch unterscheiden.
Denkanstöße
- Trenne die Frage „Ist ein Binomialmodell plausibel?“ von der Frage „Welches der beiden vorgegebenen Modelle macht die beobachteten Daten wahrscheinlicher?“.
- Vergleiche in b) dieselbe Punktwahrscheinlichkeit \(P(X=38)\) unter beiden Werten von \(p\).
- Vergleiche die Modelle für die nächsten zehn Würfe nicht nur über den Erwartungswert, sondern auch über die Schwellenwahrscheinlichkeit und die Streuung.
- Eine größere Punktwahrscheinlichkeit für genau diese Beobachtung beweist nicht, dass das betreffende Modell wahr ist.
Lösung
1. Für ein Binomialmodell müssen die zehn Würfe als gleichartige Versuche mit den Ausgängen Treffer/Nichttreffer betrachtet werden; die Trefferwahrscheinlichkeit muss während der Serie konstant sein, und die Würfe müssen näherungsweise unabhängig sein. Müdigkeit, Lernfortschritt oder Drucksituationen können diese Annahmen verletzen.
2. Für die Testserie gilt unter Modell A \(P_A(X=38)=\binom{50}{38}0{,}7^{38}0{,}3^{12}\approx0{,}0838\). Unter Modell B gilt \(P_B(X=38)=\binom{50}{38}0{,}8^{38}0{,}2^{12}\approx0{,}1033\).
3. Da \(0{,}1033>0{,}0838\), macht Modell B genau dieses Beobachtungsergebnis wahrscheinlicher. Das ist ein Vergleich der beiden vorgegebenen Modelle, kein Beweis für den wahren Parameter und kein vollständiger Signifikanztest.
4. Für Modell A gilt \(P(X\ge8)=\sum_{k=8}^{10}\binom{10}{k}0{,}7^k0{,}3^{10-k}\approx0{,}3828\).
5. Für Modell B gilt \(P(X\ge8)=\sum_{k=8}^{10}\binom{10}{k}0{,}8^k0{,}2^{10-k}\approx0{,}6778\).
6. Modell A hat \(E(X)=7\) und \(\sigma=\sqrt{2{,}1}\approx1{,}45\); Modell B hat \(E(X)=8\) und \(\sigma=\sqrt{1{,}6}\approx1{,}26\).
7. Modell B sagt im Mittel einen Treffer mehr voraus und bewertet mindestens acht Treffer deutlich wahrscheinlicher. Gleichzeitig ist die Streuung etwas kleiner. Für eine Planung, bei der acht Treffer eine wichtige Schwelle sind, führen die Modelle daher zu deutlich verschiedenen Erwartungen.
Antwort
a) Konstante Trefferwahrscheinlichkeit und näherungsweise unabhängige, gleichartige Würfe; z. B. Müdigkeit kann das Modell einschränken.
b) Modell A: \(P(X=38)\approx0{,}0838\); Modell B: \(P(X=38)\approx0{,}1033\). Das konkrete Beobachtungsergebnis ist unter Modell B wahrscheinlicher.
c) Modell A: \(0{,}3828\); Modell B: \(0{,}6778\)
d) Modell A: \(E(X)=7\), \(\sigma\approx1{,}45\); Modell B: \(E(X)=8\), \(\sigma\approx1{,}26\)
e) Modell B prognostiziert mehr Treffer und eine deutlich größere Chance auf mindestens acht Treffer bei etwas kleinerer Streuung.