Ein Softwareentwickler gibt an, dass ein neues Update bei höchstens \(1\,\%\) der Installationen zu einem Systemabsturz führt. Ein Technik-Blog vermutet eine höhere Fehlerquote und führt \(400\) Testinstallationen durch.
1. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass bei genau \(400\) Installationen exakt \(4\) Abstürze auftreten, wenn die Trefferquote tatsächlich exakt \(1\,\%\) beträgt.
2. Ermittle eine Entscheidungsregel für einen Signifikanztest auf dem Signifikanzniveau \(\alpha = 0{,}05\), um die Behauptung des Entwicklers (\(H_0: p \leq 0{,}01\)) zu prüfen.
3. In der Testreihe des Blogs werden \(8\) Abstürze beobachtet. Entscheide, ob die Behauptung des Entwicklers auf Basis dieses Ergebnisses verworfen werden sollte. Bestimme außerdem die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art für diese Testregel am Randwert \(p=0{,}01\).
Denkanstöße
- Achte bei Teil 1 darauf, ob nach „genau“, „höchstens“ oder „mindestens“ gefragt ist.
- Bei einem rechtsseitigen Test suchst du die Werte im oberen Ende der Verteilung. Wie hängen \(P(X \geq k)\) und \(P(X \leq k-1)\) zusammen?
- Vergleiche das Beobachtungsergebnis direkt mit deinem berechneten Ablehnungsbereich.
- Was bedeutet „Fehler 1. Art“? Werden hier Hypothesen fälschlicherweise abgelehnt oder fälschlicherweise nicht verworfen?
Lösung
1. Berechnung mit der Formel von Bernoulli für \(n = 400\), \(p = 0{,}01\) und \(k = 4\): \(P(X = 4) = \binom{400}{4} \cdot 0{,}01^4 \cdot 0{,}99^{396} \approx 0{,}1964\). Die Wahrscheinlichkeit beträgt ca. \(19{,}6\,\%\).
2. Es handelt sich um einen rechtsseitigen Test. Gesucht ist das kleinste \(k\), für das \(P(X \geq k) \leq 0{,}05\) gilt, was äquivalent zu \(P(X \leq k-1) \geq 0{,}95\) ist. Werte der Binomialverteilung für \(n=400, p=0{,}01\): \(P(X \leq 7) \approx 0{,}9498\) und \(P(X \leq 8) \approx 0{,}9792\). Da \(0{,}9498 < 0{,}95\), ist \(k-1 = 8\), also \(k = 9\). Der Ablehnungsbereich ist \(K = \{9; 10; \dots; 400\}\). Die Entscheidungsregel lautet: Lehne \(H_0\) ab, wenn mehr als \(8\) Abstürze auftreten.
3. Da \(8\) Abstürze nicht im Ablehnungsbereich liegen, wird \(H_0\) nicht abgelehnt. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art für die festgelegte Regel ist am Randwert \(p=0{,}01\): \(P(X\ge9)\approx0{,}02077\), also etwa \(2{,}08\,\%\). Diese Verfahrenswahrscheinlichkeit ist nicht null, nur weil in dieser konkreten Stichprobe nicht abgelehnt wurde.
Antwort
1. \(P(X = 4) \approx 19{,}6\,\%\).
2. Ablehnungsbereich \(K = \{9; 10; \dots; 400\}\).
3. Die Behauptung wird nicht verworfen, da \(8 < 9\). Die tatsächliche Fehler-1.-Art-Wahrscheinlichkeit der Testregel beträgt am Randwert etwa \(2{,}08\,\%\); die konkrete Nichtablehnung ist davon zu unterscheiden.