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Mathe-Arbeitsblätter Klasse 12

Stellen Sie aus mehr als 25.000 Matheaufgaben von der 3. bis zur 13. Klasse Ihre eigenen Arbeitsblätter zusammen. Alle Aufgaben enthalten Lösungsschritte.

Testergebnisse interpretieren

Lernziele

  • Interpretiert Testentscheidungen im Sachzusammenhang.
  • Erklärt, warum Nichtverwerfen die Nullhypothese nicht beweist.
  • Unterscheidet Signifikanzniveau und Wahrscheinlichkeit einer Hypothese.
  • Beurteilt mögliche Fehlentscheidungen.

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55313912
Ein einseitiger Signifikanztest liefert auf dem Signifikanzniveau \(5\,\%\) ein signifikantes Ergebnis. Formuliere in eigenen Worten, 1. welche Testentscheidung damit getroffen wird, 2. was die Angabe \(5\,\%\) über das Testverfahren bedeutet, 3. und warum daraus keine Wahrscheinlichkeit dafür folgt, dass \(H_0\) oder die Gegenhypothese \(H_1\) wahr ist.

Denkanstöße

- Trenne die Testentscheidung von der Fehlerwahrscheinlichkeit des Verfahrens. - Unter welcher Bedingung ist das Signifikanzniveau als Fehlerwahrscheinlichkeit definiert? - Bezieht sich \(\alpha\) auf mögliche Stichprobenergebnisse bei angenommener Nullhypothese oder auf die Wahrheit der Hypothese nach Beobachtung der Daten?

Lösung

1. Ein signifikantes Ergebnis bedeutet, dass das beobachtete Stichprobenergebnis im vorab festgelegten Ablehnungsbereich liegt; \(H_0\) wird abgelehnt. 2. Das Signifikanzniveau von \(5\,\%\) begrenzt die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art: Wenn \(H_0\) wahr ist, lehnt das Testverfahren sie mit höchstens \(5\,\%\) Wahrscheinlichkeit ab. 3. Diese bedingte Fehlerwahrscheinlichkeit ist keine nach Beobachtung der Daten berechnete Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Hypothese wahr ist.

Antwort

1. \(H_0\) wird abgelehnt. 2. Ist \(H_0\) wahr, beträgt die Wahrscheinlichkeit eines fälschlichen Ablehnens durch das Testverfahren höchstens \(5\,\%\). 3. Daraus folgt weder \(P(H_0\mid\text{Daten})\leq5\,\%\) noch \(P(H_1\mid\text{Daten})\geq95\,\%\).
55314012
Bei einem einseitigen Signifikanztest liegt das beobachtete Stichprobenergebnis nicht im Ablehnungsbereich. Formuliere die zulässige Testentscheidung. Erkläre außerdem, warum dieses Ergebnis die Nullhypothese nicht beweist, und beziehe dabei den Fehler 2. Art ein.

Denkanstöße

- Welche Testentscheidung gehört zu einem Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs? - Ist „nicht ablehnen“ logisch dasselbe wie „beweisen“? - Welche Fehlerart beschreibt den Fall, dass \(H_0\) falsch ist, aber nicht abgelehnt wird?

Lösung

1. Da das Stichprobenergebnis nicht im Ablehnungsbereich liegt, wird \(H_0\) auf dem gewählten Signifikanzniveau nicht abgelehnt. 2. „Nicht ablehnen“ ist kein Beweis für \(H_0\). Auch wenn \(H_0\) falsch und die Gegenhypothese wahr ist, kann ein Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs auftreten. 3. Genau dieser Fall ist ein Fehler 2. Art: Eine falsche Nullhypothese wird nicht abgelehnt.

Antwort

\(H_0\) wird auf dem gewählten Signifikanzniveau nicht abgelehnt. Damit ist \(H_0\) nicht bewiesen, denn auch bei wahrer Gegenhypothese kann ein Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs auftreten; dann liegt ein Fehler 2. Art vor.
42730612
Ein Hersteller von Bio-Eiern behauptet, dass höchstens \(1\,\%\) der gelieferten Eier beschädigt sind (\(H_0: p \le 0{,}01\)). Ein Supermarkt prüft diese Angabe mit einem Signifikanztest auf einem Signifikanzniveau von \(\alpha = 5\,\%\). a) Erkläre, was ein Fehler 1. Art in diesem Sachzusammenhang bedeutet und wie groß die Wahrscheinlichkeit für ein solches Fehlurteil höchstens ist. b) Das Stichprobenergebnis liegt im Ablehnungsbereich der Nullhypothese. Ein Mitarbeiter des Supermarkts stellt fest: „Damit ist nun absolut sicher bewiesen, dass die Angabe des Herstellers falsch ist und mehr als \(1\,\%\) der Eier beschädigt sind.“ Beurteile die Aussage des Mitarbeiters aus statistischer Sicht.

Denkanstöße

- Überlege dir zuerst, welche Entscheidung getroffen wird und welcher reale Zustand dazu im Widerspruch steht. - Welche Rolle spielt das Signifikanzniveau bei der Begrenzung von Risiken? - Kann eine Stichprobe jemals eine Eigenschaft der gesamten Produktion mit \(100\,\%\) Sicherheit belegen? - Unterscheide zwischen einer „bewiesenen Aussage“ und einer „statistisch signifikanten Abweichung“.

Lösung

1. Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn \(H_0\) abgelehnt wird, obwohl \(H_0\) wahr ist. Das Signifikanzniveau \(\alpha=5\,\%\) begrenzt die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses: \(P(\text{Ablehnung von }H_0\mid H_0\text{ wahr})\le0{,}05\). 2. Ein signifikantes Ergebnis bedeutet deshalb nicht, dass \(H_0\) mit Wahrscheinlichkeit höchstens \(5\,\%\) wahr ist. Das Signifikanzniveau ist keine nach Beobachtung der Daten berechnete Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit einer Hypothese. 3. Zulässig ist nur die testbezogene Aussage: Das beobachtete Ergebnis liegt im vorab festgelegten Ablehnungsbereich; unter einer wahren Nullhypothese tritt eine solche Fehlentscheidung mit höchstens \(5\,\%\) Wahrscheinlichkeit auf. Daraus folgt kein sicherer Beweis der Gegenhypothese.

Antwort

a) \(\alpha=5\,\%\) bedeutet: Wenn \(H_0\) wahr ist, beträgt die Wahrscheinlichkeit, \(H_0\) fälschlich abzulehnen, höchstens \(5\,\%\). b) Ein signifikantes Ergebnis ist kein sicherer Beweis für \(H_1\). Insbesondere liefert \(\alpha\) nicht die Wahrscheinlichkeit, dass \(H_0\) nach dem beobachteten Ergebnis wahr oder falsch ist.
42731312
Ein Hersteller von Solarmodulen gibt an, dass mindestens \(90\,\%\) der produzierten Module die volle Leistung erreichen. Ein Qualitätsprüfer verwendet die Nullhypothese \(H_0:p\geq0{,}90\) bei einem Signifikanzniveau von \(\alpha=5\,\%\). Die Stichprobe führt zur Ablehnung von \(H_0\). Nehmen wir nun an, dass die wahre Erfolgswahrscheinlichkeit des zugrunde liegenden Produktionsprozesses tatsächlich \(p=0{,}93\) beträgt. Der Produktionsleiter meint deshalb, die Ablehnung müsse auf einen Fehler bei der Durchführung des Tests zurückgehen. Beurteile diese Aussage und benenne die statistische Situation.

Denkanstöße

- Prüfe zuerst, ob \(p=0{,}93\) zur Nullhypothese \(H_0:p\geq0{,}90\) gehört. - Wie heißt es, wenn eine tatsächlich wahre Nullhypothese verworfen wird? - Welche Rolle spielt das Signifikanzniveau für genau diese Art von Fehlentscheidung?

Lösung

1. Da die wahre Erfolgswahrscheinlichkeit \(p=0{,}93\) beträgt, ist \(H_0:p\ge0{,}90\) tatsächlich wahr. 2. Die Ablehnung einer wahren Nullhypothese ist ein Fehler 1. Art. 3. Ein Signifikanztest ist ein probabilistisches Verfahren. Das Signifikanzniveau \(\alpha=5\,\%\) begrenzt am Randwert der Nullhypothese die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art; bei anderen Parameterwerten aus \(H_0\) ist sie höchstens so groß. 4. Die Aussage des Produktionsleiters ist daher falsch. Auch bei korrektem Vorgehen kann durch Zufall ein Stichprobenergebnis im Ablehnungsbereich liegen.

Antwort

Der Produktionsleiter hat nicht recht. Bei \(p=0{,}93\) ist \(H_0:p\ge0{,}90\) wahr. Dass der Test \(H_0\) dennoch verwirft, ist ein Fehler 1. Art. Für wahre Parameterwerte aus \(H_0\) wird die Wahrscheinlichkeit einer solchen Fehlentscheidung durch das Signifikanzniveau auf höchstens \(5\,\%\) begrenzt. Das Auftreten eines Fehlers 1. Art bedeutet daher nicht, dass der Test methodisch falsch durchgeführt wurde.
55314112
Bei einer Landtagswahl in einem Bundesland erhielt eine Partei \(48\,\%\) der Stimmen. Vor der nächsten Wahl wird in einer zufälligen Befragung geprüft, ob ihr aktueller Unterstützungsanteil unter \(48\,\%\) liegt. Es wird \(H_0:p\ge0{,}48\) gegen \(H_1:p<0{,}48\) getestet. Das Ergebnis liegt nicht im Ablehnungsbereich. Formuliere zwei Aussagen: a) Was darf man über den aktuellen Unterstützungsanteil auf dem gewählten Signifikanzniveau sagen? b) Welche weitergehende Aussage über das tatsächliche Wahlergebnis wäre nicht gerechtfertigt?

Denkanstöße

- Welche Testentscheidung folgt daraus, dass der Stichprobenwert nicht im Ablehnungsbereich liegt? - Ist eine nicht verworfene Nullhypothese damit bewiesen? - Welche zusätzlichen Unsicherheiten bestehen zwischen einer zufälligen Befragung und dem späteren Wahlergebnis?

Lösung

1. Da das Ergebnis nicht im Ablehnungsbereich liegt, wird \(H_0\) nicht verworfen. Die Befragung liefert auf dem gewählten Niveau keine hinreichende statistische Evidenz für einen aktuellen Anteil unter \(48\,\%\). 2. Daraus folgt weder, dass der aktuelle Anteil mindestens \(48\,\%\) bewiesen ist, noch lässt sich das spätere Wahlergebnis sicher vorhersagen. Eine Umfrage ist eine Stichprobe und unterliegt Zufallsschwankungen; außerdem kann sich die Unterstützung bis zur Wahl verändern.

Antwort

a) Die Daten stützen auf dem gewählten Niveau keinen aktuellen Unterstützungsanteil unter \(48\,\%\); \(H_0\) wird nicht verworfen. b) Nicht gerechtfertigt wäre etwa: „Die Partei wird bei der nächsten Wahl sicher mindestens \(48\,\%\) erreichen.“
55314212
Ein rechtsseitiger Test verwendet \(H_0:p\le0{,}30\). Die Abbildung zeigt die Binomialverteilung am Randwert \(p_0=0{,}30\), den als \(K\) gekennzeichneten Ablehnungsbereich und den beobachteten Stichprobenwert \(x=8\). Formuliere die Testentscheidung und eine präzise inhaltliche Interpretation. Erkläre außerdem, welche Aussage nicht aus dem Diagramm folgt.
Abbildung zur Aufgabe 553142

Denkanstöße

- Vergleiche zuerst die Position von \(x=8\) mit dem markierten Bereich \(K\). - Welche Entscheidung ist vorgesehen, wenn der beobachtete Wert nicht zu \(K\) gehört? - Trenne die Testentscheidung von einer Aussage darüber, ob die Nullhypothese „wahr bewiesen“ ist.

Lösung

1. Der im Diagramm markierte Ablehnungsbereich beginnt bei \(10\); der beobachtete Wert ist \(x=8\). 2. Damit gilt \(8\notin K\), also wird \(H_0\) nicht abgelehnt. 3. Die Stichprobe liefert auf dem gewählten Testniveau keine hinreichende Evidenz für \(p>0{,}30\). 4. Nicht zulässig ist die Schlussfolgerung, dass \(p\le0{,}30\) bewiesen sei; ein Ergebnis im Nichtablehnungsbereich kann auch bei einer falschen Nullhypothese auftreten.

Antwort

\(H_0\) wird nicht verworfen, weil \(8\notin K\). Die Daten stützen keinen Anteil über \(30\,\%\) auf dem gewählten Niveau. Nicht folgt daraus, dass \(p\le0{,}30\) bewiesen ist.
55699012
Ein linksseitiger Test verwendet \(H_0:p\ge0{,}60\). Die Abbildung zeigt die Binomialverteilung am Randwert \(p_0=0{,}60\), den direkt mit \(K\) markierten Ablehnungsbereich und den mit \(x\) markierten beobachteten Stichprobenwert. Formuliere die Testentscheidung und eine präzise inhaltliche Interpretation. Nenne außerdem eine Aussage über \(p\), die aus dem signifikanten Ergebnis nicht folgt.
Abbildung zur Aufgabe 556990

Denkanstöße

- Lies zuerst ab, ob die mit \(x\) markierte Beobachtung innerhalb oder außerhalb von \(K\) liegt. - Formuliere anschließend nur die Richtung, die der einseitige Test statistisch stützt. - Trenne ein signifikantes Ergebnis von einem Beweis oder einer Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit einer Hypothese.

Lösung

1. Der markierte Ablehnungsbereich reicht bis einschließlich \(7\); die Beobachtung liegt bei \(x=6\). 2. Damit gilt \(6\in K\), also wird \(H_0\) abgelehnt. 3. Die Stichprobe liefert auf dem gewählten Signifikanzniveau statistische Evidenz dafür, dass \(p<0{,}60\) ist. 4. Daraus folgt weder ein sicherer Beweis für \(p<0{,}60\) noch eine nachträgliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass \(H_0\) wahr oder falsch ist.

Antwort

\(H_0\) wird abgelehnt, weil \(6\in K\). Die Daten stützen auf dem gewählten Signifikanzniveau einen Anteil unter \(60\,\%\). Nicht folgt daraus, dass \(p<0{,}60\) sicher bewiesen ist oder dass das Signifikanzniveau die Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit von \(H_0\) angibt.
55831512
Eine Lern-App gibt an, dass mindestens \(60\,\%\) der Teilnehmenden eine Wochenaufgabe abschließen. Eine Schule prüft mit \(n=15\), ob die tatsächliche Quote niedriger ist. Dabei ist \(X\) die Zahl der Teilnehmenden, die die Wochenaufgabe abschließen. Es gilt \(H_0:p\geq0{,}60\) gegen \(H_1:p<0{,}60\). Die beiden Diagramme zeigen dieselbe Entscheidungsregel am Randwert \(p_0=0{,}60\). \(K\) bezeichnet den Ablehnungsbereich, \(N\) den Nichtablehnungsbereich. In jedem Diagramm ist der beobachtete Stichprobenwert mit \(x\) gekennzeichnet. a) Lies den Ablehnungsbereich und den beobachteten Wert in Diagramm 1 und 2 ab. b) Gib für beide Ergebnisse die Testentscheidung und eine passende Aussage im Sachzusammenhang an. c) Beurteile die Aussagen „Nach Diagramm 1 ist \(p<0{,}60\) bewiesen“ und „Nach Diagramm 2 ist \(p\geq0{,}60\) bewiesen“.
Abbildung zur Aufgabe 558315

Denkanstöße

- Ordne in jedem Diagramm den markierten Wert \(x\) einem der Bereiche \(K\) oder \(N\) zu. - Welche Testentscheidung gehört zum jeweiligen Bereich? - Welche Fehlentscheidung ist nach einer Ablehnung beziehungsweise nach einer Nichtablehnung noch möglich?

Lösung

1. In beiden Diagrammen ist \(K=\{0;1;\dots;5\}\). In Diagramm 1 ist \(x=4\), in Diagramm 2 ist \(x=8\). 2. In Diagramm 1 liegt \(x=4\) im Ablehnungsbereich. Daher wird \(H_0\) abgelehnt; das Ergebnis spricht für eine Abschlussquote unter \(60\,\%\). 3. In Diagramm 2 liegt \(x=8\) im Nichtablehnungsbereich. Daher wird \(H_0\) nicht abgelehnt; das Ergebnis liefert keine ausreichenden Hinweise auf eine Abschlussquote unter \(60\,\%\). 4. Beide Aussagen in c) sind zu stark. Eine Ablehnung beweist \(p<0{,}60\) nicht, weil ein Fehler 1. Art möglich ist. Eine Nichtablehnung beweist \(p\geq0{,}60\) nicht, weil ein Fehler 2. Art möglich ist.

Antwort

a) \(K=\{0;1;\dots;5\}\); Diagramm 1: \(x=4\); Diagramm 2: \(x=8\). b) Diagramm 1: \(H_0\) wird abgelehnt; das Ergebnis spricht für eine Quote unter \(60\,\%\). Diagramm 2: \(H_0\) wird nicht abgelehnt; das Ergebnis liefert keine ausreichenden Hinweise auf eine Quote unter \(60\,\%\). c) Keine der beiden Aussagen über \(p\) ist damit bewiesen. Bei beiden Testentscheidungen ist eine Fehlentscheidung möglich.
42725912
Bei dem bisherigen Produktionsverfahren für Solarzellen lag die Defektquote bei \(5\,\%\). Ein Hersteller behauptet, dass die Defektquote der mit einem neuen Verfahren produzierten Zellen unter diesem festen historischen Referenzwert liegt. Eine zufällige Stichprobe aus der neuen Produktion soll untersucht werden; die Defektzustände werden als unabhängig mit einer konstanten Wahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. 1. Stelle Null- und Gegenhypothese für einen linksseitigen Signifikanztest auf und erläutere den Fehler 1. Art. 2. Stelle die Hypothesen für einen rechtsseitigen Test mit \(H_0:p\leq0{,}05\) auf und erläutere auch hier den Fehler 1. Art. 3. Beurteile aus Kundensicht, welcher Test für die Werbeaussage „Defektquote unter \(5\,\%\)“ angemessener ist. Erläutere außerdem, warum ein Ein-Stichproben-Vergleich mit dem historischen Referenzwert allein nicht beweist, dass das neue Verfahren die Ursache einer möglichen Verbesserung ist.

Denkanstöße

- Die Aussage, die statistisch gestützt werden soll, gehört in die Gegenhypothese. - Formuliere den Fehler 1. Art jeweils als falschen Schluss nach Ablehnung von \(H_0\). - Unterscheide den Nachweis einer niedrigeren aktuellen Quote von der Erklärung, wodurch diese Quote entstanden ist.

Lösung

1. Für den linksseitigen Test gilt \(H_0:p\geq0{,}05\) und \(H_1:p<0{,}05\). Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn auf eine Defektquote unter \(5\,\%\) geschlossen wird, obwohl sie tatsächlich mindestens \(5\,\%\) beträgt. 2. Für den rechtsseitigen Test gilt \(H_0:p\leq0{,}05\) und \(H_1:p>0{,}05\). Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn auf eine Defektquote über \(5\,\%\) geschlossen wird, obwohl sie tatsächlich höchstens \(5\,\%\) beträgt. 3. Für die Werbeaussage ist der linksseitige Test angemessen, weil die behauptete niedrigere Defektquote in der Gegenhypothese steht und statistische Evidenz erfordert. Der Test vergleicht die neue Produktion jedoch nur mit einem historischen Wert. Ohne gleichzeitig produzierte, vergleichbare Kontrollgruppe können andere Unterschiede zwischen Zeiträumen oder Produktionsbedingungen nicht ausgeschlossen werden; eine kausale Wirkung des Verfahrens ist daher nicht nachgewiesen.

Antwort

1. \(H_0:p\geq0{,}05\); \(H_1:p<0{,}05\). Fehler 1. Art: Eine Defektquote unter \(5\,\%\) wird behauptet, obwohl sie nicht vorliegt. 2. \(H_0:p\leq0{,}05\); \(H_1:p>0{,}05\). Fehler 1. Art: Eine zu hohe Defektquote wird behauptet, obwohl die Quote höchstens \(5\,\%\) beträgt. 3. Der linksseitige Test ist für die Werbeaussage angemessen. Er belegt allein jedoch keine kausale Wirkung des neuen Verfahrens.
42726012
An einer gefährlichen Kreuzung lag der Anteil von Beinahe-Unfällen unter klar definierten kritischen Verkehrssituationen bisher bei \(12\,\%\). Nach Einführung eines neuen Assistenzsystems wird eine repräsentative Auswahl solcher Situationen nach denselben Kriterien erfasst; die Ergebnisse werden als unabhängig mit einer konstanten Wahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Die Stadt möchte prüfen, ob die aktuelle Quote unter dem festen historischen Referenzwert liegt. 1. Erläutere den Unterschied zwischen einem linksseitigen Test mit \(H_0:p\geq0{,}12\) und einem rechtsseitigen Test mit \(H_0:p\leq0{,}12\). 2. Beschreibe die Konsequenz eines Fehlers 2. Art beim linksseitigen Test. 3. Entscheide, welcher Test geeignet ist, wenn nur bei statistischer Evidenz für eine niedrigere aktuelle Quote investiert werden soll. Erläutere außerdem, warum dieser historische Ein-Stichproben-Vergleich allein nicht beweist, dass das Assistenzsystem die Ursache einer möglichen Senkung ist.

Denkanstöße

- Prüfe, ob kleine oder große Werte von \(p\) die gewünschte Veränderung darstellen. - Ein Fehler 2. Art bedeutet, dass eine wahre Gegenhypothese nicht erkannt wird. - Unterscheide einen historischen Vorher-Nachher-Vergleich von einem Design, das Kausalität stützen kann.

Lösung

1. Der linksseitige Test prüft \(H_0:p\geq0{,}12\) gegen \(H_1:p<0{,}12\) und sucht Evidenz für eine niedrigere aktuelle Quote. Der rechtsseitige Test prüft \(H_0:p\leq0{,}12\) gegen \(H_1:p>0{,}12\) und sucht Evidenz für eine höhere aktuelle Quote. 2. Ein Fehler 2. Art beim linksseitigen Test liegt vor, wenn \(H_0\) nicht verworfen wird, obwohl die aktuelle Quote tatsächlich unter \(12\,\%\) liegt. Die Stadt könnte dadurch auf eine Investition verzichten, obwohl die aktuelle Situation günstiger ist als der Referenzwert. 3. Der linksseitige Test ist geeignet, weil die gewünschte niedrigere Quote in der Gegenhypothese steht. Der Test vergleicht jedoch nur aktuelle Daten mit einem historischen Wert. Andere Veränderungen im Verkehrsaufkommen, in der Straßengestaltung oder im Verhalten können die Quote ebenfalls beeinflussen; ohne geeignete gleichzeitige Vergleichsbedingungen lässt sich die Senkung nicht kausal dem System zuschreiben.

Antwort

1. Linksseitig: Test auf eine niedrigere aktuelle Quote. Rechtsseitig: Test auf eine höhere aktuelle Quote. 2. Fehler 2. Art: Eine tatsächlich niedrigere Quote wird nicht erkannt. 3. Der linksseitige Test ist passend. Er liefert gegebenenfalls Evidenz für eine niedrigere aktuelle Quote, beweist aber nicht, dass das Assistenzsystem deren Ursache ist.
42730512
Beurteile die folgenden Aussagen zur Interpretation von Signifikanztests auf ihre Richtigkeit und begründe deine Entscheidung kurz: a) Bei einem einseitigen Test werden für \(\alpha=5\,\%\) und \(\alpha=10\,\%\) jeweils die üblichen maximalen Ablehnungsbereiche in derselben Testrichtung gewählt. Wenn \(H_0\) bei \(\alpha=5\,\%\) abgelehnt wird, dann wird sie bei demselben Stichprobenergebnis auch bei \(\alpha=10\,\%\) abgelehnt. b) Ein Testergebnis im Nichtablehnungsbereich beweist, dass die Nullhypothese wahr ist. c) Führt man denselben Signifikanztest unter identischen Bedingungen mit einer neuen, unabhängigen Stichprobe desselben Umfangs durch, so muss die Testentscheidung zwingend genauso ausfallen wie beim ersten Mal.

Denkanstöße

- Wie verändert sich der Bereich der „extremen“ Werte, wenn man mehr Irrtumswahrscheinlichkeit zulässt? - Gibt es in der Statistik absolute Beweise oder arbeiten wir mit Wahrscheinlichkeiten? - Was passiert, wenn man ein Zufallsexperiment wiederholt? Sind die Ergebnisse immer identisch? - Denke an die Definition des Fehlers 2. Art.

Lösung

1. Analyse von Aussage a): Unter der ausdrücklich genannten Konstruktion werden die maximalen einseitigen Ablehnungsbereiche in derselben Richtung gewählt. Beim größeren Signifikanzniveau darf der Ablehnungsbereich entsprechend erweitert werden; der maximale Bereich für \(5\,\%\) ist daher im maximalen Bereich für \(10\,\%\) enthalten. Die Aussage ist unter dieser Voraussetzung wahr. 2. Analyse von Aussage b): Ein Ergebnis im Nichtablehnungsbereich bedeutet nur, dass die Abweichung der Stichprobe von der Erwartung unter der Nullhypothese nicht groß genug ist, um als signifikant zu gelten. Es könnte jedoch ein Fehler 2. Art vorliegen (die Nullhypothese ist falsch, aber die Stichprobe zeigt dies nicht). Ein Beweis für die Richtigkeit von \(H_0\) ist dies nicht. Die Aussage ist falsch. 3. Analyse von Aussage c): Da die Testgröße von einer Zufallsstichprobe abhängt, unterliegt sie Zufallsschwankungen. Eine neue Stichprobe kann zu einem anderen Wert der Testgröße führen, der in einem Fall knapp im Ablehnungsbereich und im anderen Fall knapp außerhalb liegt. Die Aussage ist falsch.

Antwort

a) Wahr unter der genannten Konstruktion maximaler einseitiger Ablehnungsbereiche: Der Bereich für \(\alpha=5\,\%\) ist im Bereich für \(\alpha=10\,\%\) enthalten. b) Falsch. Es kann lediglich gesagt werden, dass die Nullhypothese nicht abgelehnt wird; ein Fehler 2. Art bleibt möglich. c) Falsch. Aufgrund von Zufallsschwankungen in der Stichprobe kann die Testgröße bei einer Wiederholung andere Werte annehmen und zu einer anderen Entscheidung führen.
42731412
Um zu prüfen, ob ein neues Werbebanner eine Klickrate von mehr als \(8\,\%\) erzielt, wird ein Signifikanztest mit der Nullhypothese \(H_0:p\le0{,}08\) auf einem Signifikanzniveau von \(\alpha=5\,\%\) durchgeführt. Das Ergebnis der Stichprobe liefert keinen Grund, die Nullhypothese abzulehnen. Ein Marketing-Mitarbeiter folgert daraufhin: „Damit ist nun statistisch bewiesen, dass das Banner die Zielvorgabe von \(8\,\%\) auf keinen Fall erreicht.“ Beurteile die Schlussfolgerung des Mitarbeiters aus mathematischer Sicht. Gehe dabei auf die Bedeutung der Nichtablehnung einer Hypothese und den Fehler 2. Art ein.

Denkanstöße

- Bedeutet „nicht abgelehnt“ automatisch, dass die Nullhypothese wahr ist? - Was könnte passieren, wenn die tatsächliche Klickrate nur knapp über dem Grenzwert liegt? - Wann liegt ein Fehler 2. Art vor? - Trenne eine Testentscheidung von einem Beweis über den wahren Parameter.

Lösung

1. Dass \(H_0\) nicht abgelehnt wurde, bedeutet nur, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichen, um \(H_0\) auf dem gewählten Signifikanzniveau abzulehnen. Es ist kein Beweis für \(H_0\). 2. Es besteht das Risiko eines Fehlers 2. Art. Dieser tritt auf, wenn \(H_0\) nicht abgelehnt wird, obwohl sie falsch ist, hier also bei einer tatsächlichen Klickrate über \(8\,\%\). 3. Beispielsweise könnte die wahre Klickrate knapp über \(8\,\%\) liegen, ohne dass die Stichprobe genügend Evidenz für eine Ablehnung von \(H_0\) liefert. 4. Die Behauptung, die Zielvorgabe sei statistisch widerlegt, ist daher unzulässig.

Antwort

Die Schlussfolgerung ist mathematisch nicht haltbar. Die Nichtablehnung von \(H_0\) beweist \(H_0\) nicht. Es kann ein Fehler 2. Art vorliegen: Die wahre Klickrate könnte über \(8\,\%\) liegen, obwohl die Stichprobe nicht zur Ablehnung von \(H_0\) geführt hat.
55699112
Bei der letzten Landtagswahl in einem Bundesland erhielt eine Partei \(40\,\%\) der Stimmen. In einer aktuellen zufälligen Befragung von \(800\) Wahlberechtigten geben \(295\) Personen an, die Partei derzeit unterstützen zu wollen. Die Antworten werden als unabhängig mit einer konstanten aktuellen Unterstützungswahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Es wird auf dem Signifikanzniveau \(5\,\%\) getestet: \(H_0:p\ge0{,}40\) gegen \(H_1:p<0{,}40\). Ein Nachrichtenportal schreibt anschließend: „Die beim Test berechnete Wahrscheinlichkeit ist zugleich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Partei aktuell noch mindestens \(40\,\%\) Unterstützung hat. Deshalb ist außerdem sicher, dass sie bei der nächsten Wahl unter \(40\,\%\) bleiben wird.“ a) Berechne die für die Testentscheidung relevante Wahrscheinlichkeit und triff die Testentscheidung. b) Beurteile beide Schlussfolgerungen des Nachrichtenportals.

Denkanstöße

- Welche Randwahrscheinlichkeit ist bei einem linksseitigen Test relevant? - Berechne die Testwahrscheinlichkeit, bevor du den Kommentar beurteilst. - Worauf bezieht sich diese Wahrscheinlichkeit tatsächlich: auf mögliche Stichprobenergebnisse oder auf die Wahrheit einer Hypothese? - Trenne eine Aussage über aktuelle Unterstützung von einer sicheren Vorhersage einer späteren Wahl.

Lösung

1. Beim linksseitigen Test wird am Randwert \(p_0=0{,}40\) die Wahrscheinlichkeit eines mindestens so kleinen Ergebnisses berechnet. Für \(X\sim B(800;0{,}40)\) gilt \(P(X\le295)\approx0{,}03805\). 2. Da \(0{,}03805<0{,}05\), wird \(H_0\) abgelehnt. Die Befragung liefert statistische Evidenz für einen aktuellen Unterstützungsanteil unter \(40\,\%\). 3. Die Zahl \(3{,}81\,\%\) ist die Wahrscheinlichkeit, unter \(p_0=0{,}40\) ein Ergebnis von höchstens \(295\) zu erhalten. Sie ist nicht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass \(H_0\) wahr ist. 4. Ein signifikanter aktueller Rückgang sagt das spätere Wahlergebnis nicht sicher voraus; Stichprobenzufall und mögliche Änderungen bis zur Wahl bleiben bestehen.

Antwort

a) \(P_{0{,}40}(X\le295)\approx0{,}03805=3{,}81\,\%\). Daher wird \(H_0\) abgelehnt. b) Beide Schlussfolgerungen sind unzulässig. Die \(3{,}81\,\%\) sind keine Wahrscheinlichkeit für die Wahrheit von \(H_0\), und die aktuelle Umfrage beweist kein späteres Wahlergebnis unter \(40\,\%\).
42729412
Bei Pflanzen, die unter festgelegten Behandlungsbedingungen mit einem biologischen Düngemittel kultiviert werden, soll untersucht werden, ob der Anteil der Pflanzen, die eine Zielwuchshöhe erreichen, über einem Referenzwert von \(80\,\%\) liegt. Der Referenzwert stammt aus früheren unbehandelten Versuchen. a) Welche Nullhypothese \(H_0\) muss gewählt werden, wenn eine Erfolgsrate über dem Referenzwert statistisch gestützt werden soll? b) Beurteile die folgende Aussage: „Wenn man das Signifikanzniveau von \(\alpha = 5\,\%\) auf \(\alpha = 1\,\%\) senkt, wird es schwieriger, eine Erfolgsrate über dem Referenzwert statistisch zu stützen, und die maximale Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art sinkt.“ c) Ein Test mit \(n = 100\) Pflanzen liefert ein Ergebnis, das nicht im Ablehnungsbereich von \(H_0\) liegt. Darf man daraus zwingend schließen, dass der Anteil der Pflanzen mit der gewünschten Wuchshöhe tatsächlich nur \(80\,\%\) oder weniger beträgt? Begründe deine Entscheidung unter Verwendung eines Fachbegriffs.

Denkanstöße

- Welche Parameterwerte gehören zu der Aussage, die mit den Daten statistisch gestützt werden soll? - Was passiert mit der Größe des Ablehnungsbereichs, wenn man die Irrtumswahrscheinlichkeit \(\alpha\) verringert? - Bedeutet das Ausbleiben eines Beweises für eine Theorie automatisch, dass das Gegenteil wahr ist?

Lösung

1. Um statistische Evidenz für eine Erfolgsrate über \(80\,\%\) zu erhalten, wird \(H_0:p\le0{,}8\) gegen \(H_1:p>0{,}8\) getestet. Wird \(H_0\) abgelehnt, sprechen die Daten für eine Erfolgsrate über dem Referenzwert; daraus folgt noch keine Aussage darüber, wodurch ein Unterschied verursacht wurde. 2. Ein kleineres Signifikanzniveau führt beim üblichen einseitigen Test zu einem kleineren Ablehnungsbereich, sodass extremere Stichprobenergebnisse nötig sind, um \(H_0\) abzulehnen. Gleichzeitig sinkt die maximal zulässige Wahrscheinlichkeit, eine wahre Nullhypothese fälschlich abzulehnen. Das Signifikanzniveau ist jedoch keine nachträgliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass die konkrete Schlussfolgerung wahr ist. 3. Aus der Nichtablehnung von \(H_0\) darf man nicht auf die Wahrheit von \(H_0\) schließen. Ein Ergebnis außerhalb des Ablehnungsbereichs bedeutet nur, dass die Daten für eine Ablehnung auf dem gewählten Niveau nicht ausreichen. Tatsächlich könnte \(p>0{,}8\) gelten; dann kann ein Fehler 2. Art auftreten.

Antwort

a) \(H_0: p \le 0{,}8\) b) Die Aussage ist richtig: Ein kleineres \(\alpha\) erhöht beim üblichen einseitigen Test die Hürde für die Ablehnung von \(H_0\) und senkt gleichzeitig die maximal zulässige Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 1. Art; daraus folgt keine nachträgliche Wahrheitswahrscheinlichkeit. c) Nein, da ein Fehler 2. Art vorliegen kann. Das Nicht-Ablehnen von \(H_0\) ist kein Beweis für deren Richtigkeit, sondern nur ein Mangel an Beweisen für \(H_1\).
55699312
Eine Stadtbibliothek untersucht den aktuellen Anteil \(p\) der Bevölkerung, der eine Sonntagsöffnung unterstützt. In einer Zufallsstichprobe von \(300\) Personen unterstützen genau \(165\) die Sonntagsöffnung. Die Antworten werden als unabhängig mit einer konstanten Unterstützungswahrscheinlichkeit \(p\) modelliert. Vor der Erhebung wurden zwei verschiedene einseitige Tests festgelegt: Test A: \(H_{0,A}:p\ge0{,}60\) gegen \(H_{1,A}:p<0{,}60\) mit \(K_A=\{0;1;\dots;165\}\). Am Randwert beträgt die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art etwa \(4{,}43\,\%\). Test B: \(H_{0,B}:p\le0{,}50\) gegen \(H_{1,B}:p>0{,}50\) mit \(K_B=\{165;166;\dots;300\}\). Am Randwert beträgt die Wahrscheinlichkeit für Fehler 1. Art etwa \(4{,}70\,\%\). Ein Ausschussmitglied sagt: „Dass derselbe Wert \(165\) in beiden Ablehnungsbereichen liegt, ist ein Widerspruch. Die beiden Tests können nicht gleichzeitig korrekt sein.“ Eine Zeitung schreibt dagegen: „Beide Nullhypothesen wurden auf dem \(5\,\%\)-Niveau abgelehnt. Damit ist mit mindestens \(95\,\%\) Wahrscheinlichkeit bewiesen, dass \(0{,}50<p<0{,}60\) gilt.“ a) Triff für beide Tests die Testentscheidung und erkläre, warum die beiden Entscheidungen einander nicht widersprechen. b) Formuliere die stärkste gemeinsame statistische Aussage, die durch die beiden vorab festgelegten Tests gestützt wird. c) Beurteile die Wahrscheinlichkeitsaussage der Zeitung. d) Erkläre, warum auch \(4{,}43\,\%+4{,}70\,\%\) nicht als Wahrscheinlichkeit dafür interpretiert werden darf, dass die gemeinsame Aussage aus b) falsch ist.

Denkanstöße

- Vergleiche den beobachteten Wert getrennt mit \(K_A\) und \(K_B\); Ablehnungsbereiche verschiedener Tests dürfen sich überschneiden. - Übersetze jede Ablehnung zuerst in die zugehörige Gegenhypothese, bevor du beide Aussagen zusammenführst. - Frage bei jeder Prozentangabe, unter welcher Voraussetzung sie berechnet wurde und welches Zufallsereignis sie beschreibt. - Unterscheide statistische Evidenz für einen Parameterbereich von einer Wahrscheinlichkeit dafür, dass der unbekannte Parameter in diesem Bereich liegt.

Lösung

1. Der beobachtete Wert \(165\) liegt sowohl in \(K_A\) als auch in \(K_B\). Daher werden \(H_{0,A}\) und \(H_{0,B}\) abgelehnt. 2. Die beiden Gegenhypothesen widersprechen sich nicht: Test A liefert statistische Evidenz für \(p<0{,}60\), Test B für \(p>0{,}50\). Beide Richtungen können gleichzeitig gelten. 3. Gemeinsam stützen die beiden Tests daher die Aussage, dass \(p\) zwischen \(0{,}50\) und \(0{,}60\) liegt. Das ist eine Schlussfolgerung aus zwei Testentscheidungen, kein Beweis und keine Wahrscheinlichkeitsaussage über den unbekannten Parameter. 4. Die Werte \(4{,}43\,\%\) und \(4{,}70\,\%\) sind bedingte Wahrscheinlichkeiten für Fehler 1. Art bei zwei verschiedenen Randwerten und zwei verschiedenen Nullhypothesen. Keiner der Werte ist die nachträgliche Wahrscheinlichkeit, dass eine Hypothese oder eine Parameterbehauptung falsch ist. 5. Deshalb bedeutet die Ablehnung beider Nullhypothesen insbesondere nicht, dass \(P(0{,}50<p<0{,}60)\ge0{,}95\) gilt. Ebenso ist die Summe der beiden Fehlerwahrscheinlichkeiten keine Wahrscheinlichkeit dafür, dass die gemeinsame Interpretation falsch ist.

Antwort

a) Beide Nullhypothesen werden abgelehnt, weil \(165\in K_A\) und \(165\in K_B\). Das ist kein Widerspruch: Die Gegenhypothesen \(p<0{,}60\) und \(p>0{,}50\) können gleichzeitig gelten. b) Die Daten liefern in den beiden vorab festgelegten Tests statistische Evidenz für \(p<0{,}60\) und zugleich für \(p>0{,}50\), also für einen Wert zwischen \(0{,}50\) und \(0{,}60\). Das ist kein Beweis. c) Die Aussage „mit mindestens \(95\,\%\) Wahrscheinlichkeit“ ist unzulässig. Das Signifikanzniveau ist keine nachträgliche Wahrscheinlichkeit für den unbekannten Parameter oder für die Wahrheit einer Hypothese. d) Auch die Summe \(4{,}43\,\%+4{,}70\,\%\) hat diese Bedeutung nicht. Die beiden Werte sind bedingte Fehlerwahrscheinlichkeiten verschiedener Tests unter verschiedenen Randwerten.

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