Beurteile, ob die folgenden Aussagen über Vektoren im Raum wahr oder falsch sind, und begründe deine Entscheidung kurz.
a) Wenn für drei Vektoren \(\vec{a}, \vec{b}, \vec{c}\) die Gleichung \(\vec{a} \cdot \vec{b} = \vec{a} \cdot \vec{c}\) gilt und \(\vec{a} \neq \vec{0}\) ist, dann muss \(\vec{b} = \vec{c}\) sein.
b) Für beliebige Vektoren \(\vec{u}\) und \(\vec{v}\) gilt \(|\vec{u} + \vec{v}|^2 = |\vec{u}|^2 + |\vec{v}|^2\) genau dann, wenn \(\vec{u} \cdot \vec{v} = 0\) ist, also Orthogonalität im Sinne des Skalarprodukts vorliegt.
c) Das Skalarprodukt zweier Einheitsvektoren \(\vec{e}_1\) und \(\vec{e}_2\) nimmt stets einen Wert im Intervall \([-1; 1]\) an.
Denkanstöße
- Kannst du die Gleichung in a) so umstellen, dass auf einer Seite die Null steht?
- Was bedeutet es für zwei Vektoren, wenn ihr Skalarprodukt null ist?
- Nutze die binomischen Formeln für Vektoren, um den Ausdruck in b) zu vereinfachen.
- Wie ist das Skalarprodukt über den eingeschlossenen Winkel definiert?
- Welche besonderen Eigenschaften haben Einheitsvektoren bezüglich ihrer Länge?
Lösung
1. Aussage a) ist falsch. Die Gleichung kann zu \(\vec{a} \cdot (\vec{b} - \vec{c}) = 0\) umgeformt werden. Dies bedeutet lediglich, dass \(\vec{a}\) orthogonal zum Differenzvektor \((\vec{b} - \vec{c})\) sein muss, nicht jedoch, dass der Differenzvektor der Nullvektor ist. Ein Gegenbeispiel sind \(\vec{a} = \begin{pmatrix} 1 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix}\), \(\vec{b} = \begin{pmatrix} 0 \\ 1 \\ 0 \end{pmatrix}\) und \(\vec{c} = \begin{pmatrix} 0 \\ 0 \\ 0 \end{pmatrix}\).
2. Aussage b) ist wahr. Durch Anwendung des Distributivgesetzes ergibt sich \(|\vec{u} + \vec{v}|^2 = (\vec{u} + \vec{v}) \cdot (\vec{u} + \vec{v}) = \vec{u} \cdot \vec{u} + 2 \cdot (\vec{u} \cdot \vec{v}) + \vec{v} \cdot \vec{v} = |\vec{u}|^2 + 2 \cdot (\vec{u} \cdot \vec{v}) + |\vec{v}|^2\). Die Gleichheit mit \(|\vec{u}|^2 + |\vec{v}|^2\) tritt genau dann ein, wenn \(\vec{u} \cdot \vec{v} = 0\) ist.
3. Aussage c) ist wahr. Da für Einheitsvektoren \(|\vec{e}_1| = 1\) und \(|\vec{e}_2| = 1\) gilt, folgt aus der Formel \(\vec{e}_1 \cdot \vec{e}_2 = |\vec{e}_1| \cdot |\vec{e}_2| \cdot \cos(\alpha) = 1 \cdot 1 \cdot \cos(\alpha) = \cos(\alpha)\). Da die Kosinusfunktion nur Werte zwischen \(-1\) und \(1\) annimmt, gilt dies auch für das Skalarprodukt.
Antwort
a) Falsch, denn aus \(\vec{a} \cdot \vec{b} = \vec{a} \cdot \vec{c}\) folgt nur \(\vec{a} \cdot (\vec{b} - \vec{c}) = 0\), nicht \(\vec{b} = \vec{c}\).
b) Wahr, denn \(|\vec{u} + \vec{v}|^2 = |\vec{u}|^2 + 2 \cdot (\vec{u} \cdot \vec{v}) + |\vec{v}|^2\); die gegebene Gleichheit gilt genau für \(\vec{u} \cdot \vec{v} = 0\).
c) Wahr, denn für Einheitsvektoren gilt \(\vec{e}_1 \cdot \vec{e}_2 = \cos(\alpha)\) und damit liegt der Wert im Intervall \([-1; 1]\).