Beim Abfüllen von Kaffeebohnen in einer Rösterei wird die Abweichung vom Sollgewicht untersucht. Die kontinuierliche Zufallsgröße \(X\) beschreibt die Abweichung der Füllmenge (in Gramm) über dem Mindestgewicht. Die Zufallsgröße \(X\) nimmt Werte im Intervall \([0; 4]\) an.
Die Wahrscheinlichkeitsdichte von \(X\) wird durch die Funktion \(f\) mit
\(
f(x) = \begin{cases} kx(4-x)^2 & \text{für } 0 \le x \le 4 \\ 0 & \text{sonst} \end{cases}
\)
beschrieben. Der zugehörige Graph \(G_f\) ist in der Abbildung dargestellt.
a) Bestimme den Wert der Konstante \(k\) rechnerisch so, dass \(f\) eine zulässige Wahrscheinlichkeitsdichte ist.
b) Berechne die Wahrscheinlichkeit \(P(1 \le X \le 3)\), dass die Abweichung zwischen \(1\,\text{g}\) und \(3\,\text{g}\) liegt.
c) Lies aus dem Graphen den Modalwert (die Stelle mit der größten Wahrscheinlichkeitsdichte) ab. Bestimme diesen Wert anschließend exakt durch eine rechnerische Bestimmung der Maximalstelle von \(f\) im Intervall \([0; 4]\).
d) Der Erwartungswert dieser Zufallsgröße liegt bei \(E(X) = 1{,}6\,\text{g}\), die Standardabweichung beträgt \(\sigma = 0{,}8\,\text{g}\). Bestimme die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Abweichung einer zufällig ausgewählten Packung innerhalb der einfachen Standardabweichung um den Erwartungswert liegt, also im Intervall \([E(X) - \sigma; E(X) + \sigma]\).

Denkanstöße
- Welche mathematische Bedingung muss für das Integral einer Dichtefunktion über ihren gesamten Definitionsbereich gelten?
- Wie berechnet man die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses in einem Intervall mithilfe der Dichtefunktion?
- Erinnere dich daran, wie man Extremstellen einer Funktion mithilfe der ersten Ableitung bestimmt.
- Berechne zuerst die Grenzen des Intervalls um den Erwartungswert, bevor du das Integral anwendest.
Lösung
1. **Bestimmung von \(k\)**:
Damit \(f\) eine zulässige Wahrscheinlichkeitsdichte ist, muss das Integral über den gesamten Definitionsbereich gleich 1 sein:
\(
\int_0^4 k \cdot x \cdot (4-x)^2 \, dx = 1
\)
Wir berechnen das Integral:
\(
\int_0^4 (16x - 8x^2 + x^3) \, dx = \left[ 8x^2 - \frac{8}{3}x^3 + \frac{1}{4}x^4 \right]_0^4 = 128 - \frac{512}{3} + 64 = \frac{64}{3}
\)
Daraus folgt:
\(
k \cdot \frac{64}{3} = 1 \implies k = \frac{3}{64}
\)
2. **Berechnung von \(P(1 \le X \le 3)\)**:
Mit der Stammfunktion \(F(x) = \frac{3}{64}\left(8x^2 - \frac{8}{3}x^3 + \frac{1}{4}x^4\right)\) berechnen wir:
\(
F(3) = \frac{3}{64}\left(72 - 72 + 20{,}25\right) = \frac{243}{256} = 0{,}94921875
\)
\(
F(1) = \frac{3}{64}\left(8 - \frac{8}{3} + \frac{1}{4}\right) = \frac{67}{256} = 0{,}26171875
\)
\(
P(1 \le X \le 3) = F(3) - F(1) = \frac{176}{256} = \frac{11}{16} = 0{,}6875 = 68{,}75\,\%
\)
3. **Bestimmung des Modalwerts**:
Aus dem Graphen lässt sich das Maximum bei etwa \(x \approx 1{,}3\) ablesen.
Rechnerisch bestimmen wir die Nullstelle der ersten Ableitung von \(f(x) = \frac{3}{64}(16x - 8x^2 + x^3)\):
\(
f'(x) = \frac{3}{64}(16 - 16x + 3x^2) = 0 \implies 3x^2 - 16x + 16 = 0
\)
Mit der Lösungsformel ergibt sich:
\(
x_{1,2} = \frac{16 \pm \sqrt{256 - 192}}{6} = \frac{16 \pm 8}{6} \implies x_1 = 4; \quad x_2 = \frac{4}{3} \approx 1{,}33
\)
Da \(f\left(\frac{4}{3}\right) = \frac{4}{9} \approx 0{,}44\) und \(f(0) = f(4) = 0\), liegt das globale Maximum bei \(x = \frac{4}{3} \approx 1{,}33\,\text{g}\).
4. **Wahrscheinlichkeit im Intervall \([E(X) - \sigma; E(X) + \sigma]\)**:
Das gesuchte Intervall lautet \([1{,}6 - 0{,}8; 1{,}6 + 0{,}8] = [0{,}8; 2{,}4]\).
Wir berechnen die Werte der Stammfunktion an den Grenzen:
\(
F(2{,}4) = F\left(\frac{12}{5}\right) = 0{,}8208
\)
\(
F(0{,}8) = F\left(\frac{4}{5}\right) = 0{,}1808
\)
\(
P(0{,}8 \le X \le 2{,}4) = F(2{,}4) - F(0{,}8) = 0{,}8208 - 0{,}1808 = 0{,}64 = 64\,\%
\)
Antwort
a) \(k = \frac{3}{64}\)
b) \(P(1 \le X \le 3) = \frac{11}{16} = 0{,}6875 = 68{,}75\,\%\)
c) Abgelesen: ca. \(1{,}3\,\text{g}\); rechnerisch: \(x = \frac{4}{3} \approx 1{,}33\,\text{g}\)
d) Intervall: \([0{,}8\,\text{g}; 2{,}4\,\text{g}]\); \(P(0{,}8 \le X \le 2{,}4) = 0{,}64 = 64\,\%\)