Ein Segelflugzeug verliert während des Gleitflugs mit der Horizontalgeschwindigkeit \(c\) (in \(\frac{\text{km}}{\text{h}}\)) stetig an Höhe. Die Sinkgeschwindigkeit \(v\) (in \(\frac{\text{m}}{\text{s}}\)) lässt sich durch die sogenannte Leistungspolare beschreiben:
\(v = g(c) = 0{,}0005(c - 80)^2 + 0{,}8\)
Um eine Strecke der Gesamtlänge \(s\) (in \(\text{km}\)) zurückzulegen, muss das Flugzeug die verlorene Höhe in Aufwinden (Thermik) wieder wettmachen. Die Steiggeschwindigkeit im Aufwind beträgt im Durchschnitt \(v_{\text{St}} = 3{,}2\,\frac{\text{m}}{\text{s}}\). Die Gesamtreisezeit \(T\) setzt sich aus der reinen Gleitzeit \(t_{\text{G}}\) und der Zeit für das Kreisen im Aufwind \(t_{\text{St}}\) zusammen.
a) Zeige, dass die Gesamtreisezeit \(T\) in Sekunden durch die Funktion \(T(c) = \frac{3600 \cdot s}{c} \cdot \left(1 + \frac{g(c)}{v_{\text{St}}}\right)\) beschrieben werden kann.
b) Bestimme die Geschwindigkeit \(c\), für welche die Gesamtreisezeit \(T\) minimal wird.
c) Weise rechnerisch nach, dass die Tangente an den Graphen von \(g\), die durch den Punkt \(P(0 | -v_{\text{St}})\) verläuft, den Graphen genau an der Stelle berührt, die du in Aufgabenteil b) als optimales \(c\) berechnet hast.
Denkanstöße
- Überlege dir zuerst, wie lange das Flugzeug für die Strecke \(s\) in der Luft ist und wie viel Höhe es dabei verliert.
- Wie viel Zeit muss es im Aufwind verbringen, um genau diese Höhe wieder zu gewinnen?
- Berücksichtige bei der Optimierung, welche Geschwindigkeiten im Sachzusammenhang zulässig sind.
- Prüfe neben einer lokalen Minimalstelle auch das Verhalten der Zeitfunktion an den Rändern ihres Definitionsbereichs.
- Was bedeutet es geometrisch für eine Gerade, durch einen bestimmten Punkt zu verlaufen?
Lösung
a) Die Gleitzeit beträgt \(t_{\text{G}} = \frac{s}{c}\) Stunden, also \(3600 \cdot \frac{s}{c}\) Sekunden. Der Höhenverlust ist \(h = g(c) \cdot \frac{3600 \cdot s}{c}\). Die Zeit zum Steigen ist \(t_{\text{St}} = \frac{h}{v_{\text{St}}} = \frac{g(c) \cdot 3600 \cdot s}{c \cdot v_{\text{St}}}\). Damit gilt \(T(c) = \frac{3600 \cdot s}{c} \left(1 + \frac{g(c)}{v_{\text{St}}}\right)\).
b) Für den Sachzusammenhang gilt \(c>0\). Es genügt, \(f(c) = \frac{v_{\text{St}} + g(c)}{c}\) zu minimieren. Einsetzen ergibt \(f(c) = 0{,}0005 c - 0{,}08 + \frac{7{,}2}{c}\). Mit \(f'(c) = 0{,}0005 - \frac{7{,}2}{c^2}\) folgt aus \(f'(c)=0\) die Gleichung \(c^2=14\,400\), also \(c=120\,\frac{\text{km}}{\text{h}}\). Die Überprüfung der zweiten Ableitung \(f''(120) = \frac{14{,}4}{120^3} > 0\) bestätigt das Minimum. Da \(f(c)\to\infty\) für \(c\to0^+\) und für \(c\to\infty\) gilt, ist dieses Minimum auf \(c>0\) global.
c) Für \(c=120\) gilt \(g(120)=1{,}6\) und \(g'(120)=0{,}04\). Die Tangente lautet \(y = 0{,}04(c-120)+1{,}6 = 0{,}04c-3{,}2\). Für \(c=0\) ergibt sich \(y=-3{,}2=-v_{\text{St}}\). Damit verläuft die Tangente durch \(P(0|-v_{\text{St}})\).
Antwort
a) \(T(c) = \frac{3600s}{c} \left(1 + \frac{g(c)}{v_{\text{St}}}\right)\).
b) Die optimale Geschwindigkeit beträgt \(c = 120\,\frac{\text{km}}{\text{h}}\); sie liefert das globale Minimum für \(c>0\).
c) Die Tangente an \(g\) im Punkt \((120 | 1{,}6)\) hat die Gleichung \(y = 0{,}04c - 3{,}2\) und verläuft durch \((0|-3{,}2)\).